GRENZABSCHNITTSKOMMANDO "WALTER BREITFELD" - CSSR, Pirna 

Bitte beachten Sie, dass die militärische Organisation und Gliederung der GT nicht in einem abgeschlossenen Zeitrahmen erschaffen wurde. Vielmehr ist das Organisationsgebilde über Jahrzehnte gewachsen und einem stetigen Wandel und der damit verbundenen Umorganisation unterworfen gewesen. Bei den hier erfolgten Standortnachweisen geht der Verfasser von den Dislozierungen zu Mitte der 1980`er aus. Für Korrekturen und weiterführende Präzisierungen dieser Angaben ist der Verfasser dankbar und bittet um Ihre Mithilfe.

 

Grenzabschnittskommando CSSR "Walter Breitfeld", 8300 Pirna, Wilhelm-Pieck-Straße 20/22, PF 81009

Der Ehrenname "Walter Breitfeld" wird am 1. Dezember 1986 verliehen. 

 

Kommandeure:

Oberstleutnat Lange (?)

Oberstleutnant Herbert Schwamm  (01.04.1962 - 31.07.1969)

Oberst Ernst Blaschka (01.08.1969 - 31.10.1984)

Oberst Helmut Beck (01.11.1984 - ?)  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abdruck des großen Dienstsiegel der Grenzbrigaden an der sozialistischen Grenze (sogenannte "Friedensgrenzen") zur CSSR. Das Siegel ist mit der "1" dem Chef der Grenzbrigade CSSR zugeordnet. (Privatarchiv d. Verf.)  

Bis auf Norwegen, Griechenland und der Türkei liegen ausschließlich die DDR und die CSSR direkt gegenüber der BRD an der - hier rot markierten - Nahtstelle zwischen Ost und West. Die Karte verdeutlicht die Lagekonzentration zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt in Mitteleuropa. (Abb.: „Wachsam und Kampfentschlossen 3 - 86/87“ Militärverlag der DDR, 1986)



Grenzüberwachung zur Tschechoslowakei 1946-1968

Umgehend nach dem Zweiten Weltkrieg wird, auf fast dem identischem Staatsgebiet der ursprünglichen Tschechoslowakischen Republik (1918-1938), durch Unterstützung der Sowjetunion die CSR wieder errichtet. Gemeinsam mit den sowjetischen Truppen und Kontrollposten des Zollaufsichtsdienstes organisiert ab Ende 1946 die GP des Landes Sachsen die Grenzüberwachung der rund 440 km langen Grenze zw. der SBZ und der CSR an 66 Grenzstationen (Besatzung ca. 10 Grenzpolizisten). Hauptaufgabe ist die Verhinderung des illegale Grenzübertritt durch Schmuggler und der über die Grenze hinweg operierende organisierte Banden sowie die Kontrolle über den breiten Strom von Flüchtlingen und Umsiedlern. Mit der gemeinsamen Erklärung der Regierungen der DDR und der CSR am 23. Juni 1950 (sogen. „Prager Erklärung“) wird beiderseits festgestellt, „dass die durchgeführte Umsiedlung der Deutschen aus der CSR unabänderlich, gerecht und endgültig gelöst ist“ und beidseitig keinerlei Gebietsansprüche mehr bestehen. Schließlich wird am 21. Mai 1956 zwischen den Regierungen der DDR und der CSR ein Abkommen über die Zusammenarbeit und Hilfe in gemeinsamen Grenzangelegenheiten geschlossen. Zeitgleich mit der neuen Verfassung kommt es 1960 zur Proklamation der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik (CSSR).

Dienstausweis eines Oberwachtmeisters der Grenzpolizei mit Dienststandort in Bad Brambach (unweit der Grenze zur CSR) der ersten Stunde. Der Dienstausweis ist durch die Landesregierung Sachsen und der zuständigen sowjetischen Militärbehörde am 1. Juli 1947 ausgestellt. (Privatarchiv d. Verf.)

Ehrengeschenk "Für ehrenvolle Pflichterfüllung beim Schutz der Grenze der Deutschen Demokratischen Republik, Karl-Marx-Stadt am 18.04.1961, Kommandeur der 18.GB - Oberstleutnat Lange" für einen Angehörigen der DGP in der Grenzbrigade CSSR. Das Aquarell zeigt zwei Postenpaare der Deutschen Grenzpolizei und der CSSR-Grenztruppen (beritten) im Gespräch am gemeinsamen Grenzabschnitt,. Im Bildhintergrund ist ein Bergzug des Erzgebirges wahrnehmbar. Gut zu erkennen ist die Standardbewaffnung des deutschen Postenpaars, und zwar - links -  Karabiner "Mosin-Nagant Modell 1944" und - Bildmitte - Maschinenpistole "PPSch-41, Schpagin" aus sowjetischen Beständen.  (Privatarchiv d. Verf.)

 

Grenzsicherung zur CSSR 1968

Im Januar 1968 wurde Alexander Dubcek zum Parteichef gewählt. Unter Dubcek begann die KSC im Frühjahr 1968 ein Liberalisierungs- und Demokratisierungsprogramm. Die Regierung schaffte die Pressezensuren ab, garantierte Meinungsfreiheit, erlaubte Auslandsreisen und leitete eine Wirtschaftsreform ein. Dieser Versuch, einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ zu schaffen, ist noch heute unter dem Schlagwort „Prager Frühling“ bekannt. Die kommunistische Führung der Länder des Warschauer Pakts (hier sind besonders die VR Polen und DDR zu nennen) empfanden die tschechoslowakischen Entwicklungen als Bedrohung ihrer Machtposition. Unter Leitung der Sowjetunion beschloss eine Mehrheit (außer Rumänien und Albanien) den militärischen Einmarsch in die CSSR (21. August 1968), um die Entwicklungen rückgängig zu machen. Zur Unterbindung der steigenden Grenzübertritte errichtete die DDR „Sperrbezirke“ an ihrer Südgrenze zur CSSR. Zeitgleich wurden zwei NVA-Divisionen im Bereich der Südgrenze feldmäßig bereitgestellt und die Berliner Stadtkommandantur sowie das NVA-Kommando Grenze angewiesen, Vorbereitungen für den Fall zu treffen, dass man im Erzgebirge von der üblichen Grenzüberwachung zu einer Grenzsicherung übergehen müsse. Am 20. August erlässt der MfNV einen Befehl Nr. 86/68 zur Bildung der 12. GBr Die neue Grenzbrigade (Sitz in Johanngeorgenstadt) unter der Leitung des Oberst Karl Leonhardt mit ca. 2.000 Mannstärke erreicht noch am Abend des 20. August 1968 Ihre Bereitstellungsräume. In der darauf folgenden Nacht wurde der zivile Personenverkehr unterbrochen und ein bisher nicht vorhandenes Grenzgebiet in einer Tiefe von 1,5 km eingerichtet. Mit dem Befehl 44/68 des Chefs des NVA-Kommando Grenze beendete die 12. GBr. am 17. September 1968 ihren Auftrag. Ende 1968 wurde an den Westgrenzen der CSSR Grenzbefestigungen ähnlich denen der DDR errichtet. 


Grenzüberwachung zur CSSR 1968-1989

Mit der Einführung des pass- und visafreien Reiseverkehrs am 15. Januar 1972 (am 01. Januar 1972 - VR Polen) wechselte bis kurz vor Ende der DDR Millionen Einwohner beider Staaten die Grenze für Besuchs- und Touristikreisen. Spontane Auslandsreisen waren von nun an für die DDR-Bürger zumindest zur VR Polen (bis zum 30. Oktober 1980)  und zur CSSR (bis zum 03. Oktober 1989) möglich. Im Jahre 1980 wurde zwischen der DDR und der CSSR ein weiterer Vertrag über die gemeinsame Staatsgrenze abgeschlossen, in dem neue völkerrechtliche Grundlagen über den Verlauf der seit 1848 bestehenden Grenze gemeinsam fixiert wurde. Kurz vor den Grenzöffnungen in der DDR am 9. November 1989 setzte die DDR-Regierung den pass- und visafreien Verkehr mit der CSSR außer Kraft. Sowohl in Warschau als auch in Prag war nun die bundesdeutsche Botschaft das Ziel vieler DDR-Fluchtwilliger. Wie an der Staatsgrenze zu Polen reagierte die DDR mit einer „verstärkten Grenzüberwachung“ im Bereich der Staatsgrenze zur CSSR. Auch durch Zuführung von zusätzlichen Grenztruppen-Personal an diesem Grenzbereich konnte die Entwicklung von illegalen Grenzübertritten nicht mehr umfänglich unterbunden werden.   

Angehörige der tschechoslowakischen und der DDR-Grenztruppen (links ein  Feldwebel der  CSSR und rechts ein DDR-Stabsfähnrich) im Gespräch an der gemeinsamen Grenzlinie um 1985. (Abbildung aus einer Diaserie zur Berufsberatung für militärische Berufe in den Grenztruppen der DDR)

Urkunden Vollmacht (Muster - 1983) eines Stellvertreter des Grenzbevollmächtigten im Bereich der DDR-Staatsgrenze zur CSSR. Der Verfasser bittet um Mithilfe zur tatsächlichen Gebrauch und der Ausstellung solch einer Vollmacht; gab es solch eine Vollmacht auch für die VR Polen? (Privatarchiv d. Verf.) 

 

Dislozierung um 1985:

 

  • Grenzabschnittsposten, 8802 Großschönau, PF (?)
  • Grenzabschnittsposten, 9438 Johanngeorgenstadt, PF (?), Siegelcode 988

Der südliche Partner an der Grenze zwischen der CSSR und der DDR - Wappen der tschechoslowakischen Grenztruppen und Angehhörige der "Pohranicni Straz" mit Truppenfahne. (Privatarchiv d. Verf. und rechts Abbildung aus "Strazci Hranic" von Stanislav Susta - Albatros, Prag 1976)

 

 


Quellen:

 

- Stanislav Susta "Dtrazci Hranic", Albatros Prag - 1976

- Peter Joachim Lapp "Gefechtsdienst im Frieden", Bernard & Graefe Verlag Bonn - 1999

- Klaus-Dieter Baumgarten, Peter Freitag "Die Grenzen der DDR", Edition Ost Berlin - 2005

- Findbuch Bundesarchiv-Militärarchiv, Freiburg - 2009

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