GRENZKOMMANDO MITTE, Berlin-Karlshorst                                                              

In Berlin gibt es bis 1961 die Struktur der DEUTSCHEN GRENZPOLIZEI nicht. Nach der Grenzsicherung der DDR in Berlin werden ab September 1961 -  analog zu den Formierungen an der westlichen Staatsgrenze - Grenzbrigaden der GRENZTRUPPEN formiert, diese sind in und um Berlin die:


1. Grenzbrigade Ost-Berlin,

2. Grenzbrigade Groß Glienicke und die

4. Grenzbrigade Potsdam (Ausbildungsbrigade)

 

1971 bilden sich schließlich die Grenzkommandos Nord, Süd und Mitte mit deren Grenzregimentern (GR), -bataillonen (GB, diese entfallen in Berlin) und –kompanien (GK) die im GKM bis zur Auflösung der GT am 2. Oktober 1990 in ihrer groben Struktur beibehalten werden.

Bei den hier folgenden Standortnachweisen geht der Verfasser von den Dislozierungen der Staatsgrenze zu Westberlin um 1985 aus; in diesem Jahr kam es in den Truppenteilen zu einer umfangreicheren Standort- und Zuordnungsveränmderung. Für weiterführende Präzisierungen dieser Angaben ist der Verfasser dankbar und bittet um Ihre geschätzte Mithilfe.

Die Grenzregimenter im GKM sind gemäß linkem Pull-Down-Menü von Nord über Ost und Süd nach West geordnet. 

 

Grenzkommando Mitte, 1157 Berlin-Karlshorst, Siegfried-Widera-Straße 11, PF 17501

 

Kommandeure:

Oberst Krug (1971)

Oberst Bernhard Geier (01.05.1971 - 31.08.1979)

Generalmajor Erich Wöllner (01.09.1979 - 30.04.1990)

Oberst Günther Leo (01.05.1990 - 30.09.1990)


 

Grenzpolizei der Landespolizeibehörde Brandenburg 1945-1950 

Wie kein anderer Ort sybolisiert über 40 Jahre lang Berlin die Teilung Deutschlands und Europas. Schon die Eskalation der politischen Auseinandersetzung zwischen Ost und West durch die separate Währungsreform in Westdeutschland und West-Berlin im Sommer 1948 führte zu einem verschärften Kontrollregime an der Demarkationslinie und an der äußeren Stadtgrenze um Berlin. In Zusammenhang mit der heraufziehenden ersten Berlin-Krise hatte die DVdI im April 1948 ständige Kontrollstellen am äußeren Stadtrand Berlins errichtet. Es entstand der „Ring um Berlin“, dessen Aufbau im Verantwortungsbereich der Landespolizeibehörde Brandenburg lag und der aus einem inneren und einem äußeren Gürtel von Kontrollpunkten an Straßen, Wasserstraßen und auf Bahnhöfen bestand. Auf Weisung der SMAD erfolgte am 19. Juni 1948 die völlige Unterbrechung des Personen- und Güterverkehrs. Die Berlin-Blockade begann. Zeitgleich entstand die Grenzbereitschaft Stumm/Finkenkrug mit Kommandanturen in Falkensee, Schwanebeck und Teltow. Nach Beendigung der Berlin-Blockade im Mai 1949 beließ die SED-Führung den Ring um Berlin mit Ziel, den Personen- und Warenverkehr zu kontrollieren und die Abwanderungsbewegung aus der SBZ über Berlin zu blockieren. Mit Befehl 31/49 der DVdI vom 24. April 1949 übernahm die HA GP/B die Verantwortung für den Ring. Mit einer Reorganisation des Rings im September 1949 wurde die Grenzpolizeibereitschaft am inneren Ring um Berlin in eine Grenzpolizeiabteilung mit drei Bereitschaften, 9 Kommandanturen und 36 Kommandos (Zügen) umgewandelt und der DVdI direkt unterstellt. Sowohl von der UdSSR als auch von der DDR-Führung wurde West-Berlin als „Pfahl im Fleische der DDR“ angesehen und entsprechend kritisch beäugte man den freien Zugang innerhalb des Stadtgebiets. Eine Veränderung des Status quo von Berlin war jedoch noch nicht greifbar. Das freie Betreten der Westsektoren blieb weiterhin möglich. Am 10. Juni 1950 übergab die UdSSR die vollständige Kontrollfunktion der Grenzpolizei an den Kontrollpassierpunkten (KPP). Lediglich die Kontrolle der Alliierten erfolgt weiterhin durch die sowjetischen Einheiten. 

Postkartenansicht um 1955 mit offenen Verlauf der Sektorengrenze am Brandenburger Tor in östlicher Blickrichtung. Von der "Quadriga" wurde 1942 ein Gipsabdruck genommen. Bei den Luftangriffen und Kämpfen im Zweiten Weltkrieg wurde das Tor und die Figurengruppe stark beschädigt. Am 21. September 1956 wurde der Wiederaufbau beschlossen. Die Quadriga musste aufgrund der Kriegsschäden völlig neu geschaffen werden. Interessant ist das Detail, dass das "Eiserne Kreuz" am Siegesstab der Quadriga hierbei nicht ausgebildet wurde. Am 14. Dezember 1957 war der Wiederaufbau beendet. Seit dem 13. August 1961 stand das Bauwerk mitten im Sperrgebiet und konnte weder von Westen noch von Osten besichtigt werden. Lediglich die Angehörigen der 3.SiK des GÜST-SiR-26 der GT (später SiZ BBT des GR-33) und das Personal des "Informationszentrums Brandenburger Tor" (zuständig für geführte Besuchergruppen, meist Staatsgäste der DDR) hatten eine Zugangsberechtigung. (Privatarchiv d. Verf.)

 

Die Vorbereitung der Abriegelung West-Berlins 1951-1960

Eine infrastrukturelle Umgehung und Abbriegelung West-Berlins wurde schon zu Beginn der 1950er Jahre intensiv verfolgt. So sollte eine Durchfahrt West-Berlins nicht mehr notwendig sein. Ein wichtiger Bestandteil dieser Bemühungen war der Aufbau und Ausbau des Berliner Bahnaußenrings, der - unter Einbeziehung bestehender Bahnstreckenabschnitte - Ost-Berlin mit Potsdam erschloss ohne West-Berliner Gebiet zu durchqueren. 1958 wurde der Personenzugverkehr des Außenrings (im Volksmund "Sputnik" genannt) in den S-Bahn-Tarif von Berlin einbezogen. Für die Sicherung des Außenrings um Berlin ist die 5. GB in Groß-Glienicke zuständig. Die innerstädtischen Sektorengrenzen werden durch die DVP mit der sowjetischen Stadtkommandantur kontrolliert.

 

Grenzsicherung im August 1961

Die weiterhin schlecht zu kontrollierende Grenzsituation in Berlin und im Umland war der DDR-Regierung zu Ende der 1950er Jahre immer mehr ein „Dorn im Auge“. Mittlerweile bestanden die Delikte der Grenzverletzungen an den Grenzen weniger aus Schmuggelei, Bandenkriminalität oder unkontrollierte Betriebsmittelüberführungen. Vielmehr war gerade durch die „Schaufensterfunktion“ von West-Berlin und der Ansammlung von Nachrichten- und Agentendiensten in beiden Teilen der Stadt eine neue Situation entstanden. Das Abwandern der Bevölkerungs- und vor allem der jungen Fachkräftesubstanz in der DDR machte sich immer flächendeckender bemerkbar; für die Partei und Regierungsführung der DDR musste eine grundlegende Lösung gefunden werden. Vom 3. bis 5. August 1961 trafen und berieten sich die Parteiführer der Warschauer Paktstaaten in Moskau. Bei diesen Verhandlungen wurde der DDR die Kontrolle und Sicherung an den Grenzen der DDR einschließlich der Grenzen zu den Westsektoren von Groß-Berlin, wie sie an den Grenzen jedes souveränen Staates üblich waren, erlaubt. Zur Einleitung und Abstimmung der taktischen Instruktionen mit dem SED-Politbüro entsandte die UdSSR am 7. August ihren Kriegsveteranen und Spezialisten für Städtekampf - Marshall Konev - als Oberkommandierenden der GSSD nach Berlin. Auf Weisung des MfNV nahm am 9. August eine operative Arbeitsgruppe zur Aufstellung von Einsatz-, Alarm- und Verlegungspläne zur Abriegelung der 44 km langen Stadtgrenze - und der restlichen 112 km Staatsgrenze um West-Berlin ihre Tätigkeit auf. Im VP-Präsidium entstand der Haupteinsatzstab für die beteiligten Kampfgruppen-, Schutz- und Grenzpolizeieinheiten unter der Leitung Erich Honeckers. Der Vorsitzende des NVR - Walter Ulbricht - unterzeichnet am 12. August die Befehle f.d. Abriegelung der Staatsgrenze in und um Berlin. Um 22.30 Uhr löst Erich Honecker mit verschlüsseltem Einsatzbefehl an die DGP deren Einsätze aus. Um Mitternacht erloschen die Lichter entlang der Grenze in Berlin. Am Morgen des 13. August - ein Sonntag - hatten ca. 5.000 Grenz-, 5.000 Schutz- und Bereitschaftspolizisten sowie 4.500 Kampfgruppenangehörige die Grenze in und um Berlin besetzt. Parallel wurden Straßen und Wege aufgerissen, spanische Reiter und Stacheldrahtzäune aufgebaut. Gegen 6.00 Uhr waren alle Grenzabschnitte gesperrt. An der Staatsgrenze zur BRD wurde zeitgleich die Präsenz der DGP-Einsatzkräfte erhöht. Am 15. August beschloss der NVR den weiterführenden pioniertechnischen Ausbau der Grenzlinie in und um Berlin. Zum 21. August erfolgte die Einteilung der Staatsgrenze zu West-Berlin in sechs Abschnitte, für die Grenzsicherung entstand die Grenzbrigade Berlin - parallel hierzu wurden regulären Polizei- und Kampfgruppenverbände schrittweise abgezogen; die reguläre Grenzsicherung in Berlin beginnt. Die Grenzsicherungskräfte der 5.GB werden auf Befehl Nr. 37/61 des Ministers des Innern aus den Bestand der DGP herausgelöst und dem Kommando der Bereitschaftspolizei unterstellt. Parallel entsteht die 1. und 2 GB Berlin am 16. September 1961. Die 1.GB (Aufgabe: Sicherung der innerstädtischen Grenze) ensteht unter der Führung des Oberst Gerhard Tschitschke aus ehemaligen Einheiten der 1. motorisierten Brigade Berlin der Bereitschaftspolizei, des Sicherungskommandos der DVP Berlin, sowie der 12. Grenzbereitschaft der 5.GB. Die 2.GB (Aufgabe: Sicherung der Umlandsgrenze) wird aus den übrigen Angehörigen der ehemaligen 5.GB gebildet. 

 

Frühe Grenzsperranlagen (2-reihiger Stacheldrahtzaun) an der Glienicker Brücke im November 1961. (Privatarchiv d. Verf.)

 

 

Stadtkommandantur Berlin 1962-1971 

Nachdem die SMAD die Militärhoheit über Ost-Berlin für beendet erklärt hatte, übernahm am 23. August 1962 auf Befehl Nr. 99/62 des NVR die neu aufgestellte "Stadtkommandantur Berlin" (SKB) unter der Führung von Generalmajor Poppe die Verantwortung für die Grenzsicherungskräfte mit Sitz in Berlin-Karlshorst. Die 1./2. und 4. GB (Ausbildungsbrigade) wurde zugleich aus den Bestand der MdI herausgelöst und dem MfNV direkt unterstellt. Nach der Grenzsicherung in Berlin wurde allen politisch und militärisch Verantwortlichen in der DDR klar, dass die befestigte Grenze zur BRD und Berlin-West dauerhaft waren. So zog die eigentliche, unmittelbare bauliche Sicherung an der Grenze eine nachhaltige und funktionierende Regimentsstruktur (Mai 1963) mit einer umfangreichen Infrastruktur nach sich. Von nun an sind der SKB 18 GR und 2 GAR zugeordnet. Im Juni 1963 tritt die "Verordnung über Maßnahmen zum Schutze der Staatsgrenze der Deutschen Demokratischen Republik und West-Berlin" in Kraft. 

Das in der DDR seit Beginn der 1960er Jahre verfolgte bautechnische Prinzip der durchgängigen Standardisierung hatte ein umfassendes Baukastensystem für den Wohnungs-, Gesellschafts- und Industriebau zum Ziel. Im Sinne dieser schnellen und systematischen Gebäudeherstellung wurde auch die serielle Herstellung von Kasernenkomplexen verfolgt. Die ab 1963/64 errichteten Stahlbetonfertigteil-Typenbauten lösten die unzureichenden Mauer- und Holzbarackenbauten der frühen 1950er Jahre ab. Dennoch konnte man aus Kosten- und Zeitgründen, besonders in der gewachsenen Stadtstruktur von Berlin, auf die vorhandenen und bezogenen historischen Kasernenstandorte nicht verzichten. 

Der politische Wechsel durch die Ablösung Walter Ulbrichts durch Erich Honecker auf dem IX. Parteitag der SED im Juni 1971 erfuhr einen gravierenden Einschnitt innerhalb der Staatsführung, der Gesellschaft und der außenpolitischen Ausrichtungen der DDR. Zum einen verstärkte sich die politische und wirtschaftliche Bindung an die Sowjetunion, zum anderen ergab sich gleichzeitig eine Entspannung des Ost-West-Konfliktes. In diese Zeit fallen das Viermächteabkommen, das Transitabkommen und der deutsch-deutsche Grundlagenvertrag. Einerseits entstehen für die Deutschen Reiseerleichterungen gleichzeitig verfestigt sich aber die deutsch-deutsche Teilung. Für die GT bedeuten die internationale Anerkennung und die Souveränität der DDR die strenge Weiterverfolgung der anvisierten Zentralisierung und Strukturoptimierung innerhalb der Truppenteile. Im Zuge des Beschlusses des Politbüros vom 6. Juli 1971 zur Erhöhung von Sicherheit und Ordnung an der DDR-Staatsgrenze wurden die bisherigen Grenzbrigaden in Grenzregimentern innerhalb der drei Grenzkommandos neu zusammengefasst. Hierbei wurden die beiden bisherigen Grenzbrigaden der Stadtkommandantur Berlin aufgelöst und die Kräfte dem neuen Grenzkommando Mitte als Grenzregimenter, dem weiterhin der Stadtkommandant von Ost-Berlin vorstand, 1970/71 unterstellt. Die SKB (Wachregiment in der Friedrich-Engels-Kaserne)  blieb unter der Leitung von GM Kuhnat weiter erhalten, war aber von nun an für die Grenzsicherung um West-Berlin nicht mehr verantwortlich. Von nun an unterstanden dem GKM sechs Grenzregimenter mit insgesamt sechsundreißig GK (vorher elf GR´er mit sechsundvierzig GK), zwei Grenzausbildungsregimenter (GAR), eine Stabskompanie, eine Pionier- und chemische Abwehrkompanie, ein Verbandsnachrichtenzug, ein Nachrichtenbataillon, ein GÜSt-Sicherungsregiment sowie ein Artillerieregiment und eine Geschoßwerferabteilung. Aufgabe der beiden GAR war die sechsmonatige Ausbildung der Wehrpflichtigen und die Unterstützung der GR mit der Hinterlandsicherung durch "Grenzstreifen".  Den GR im GKM waren nicht wie bei den GR an der Staatsgrenze zur BRD Bataillone unterstellt; vielmehr waren jeweils 5 Grenzkompanien den GR`tern direkt unterstellt. Das Auslassen dieser Führungsebene versprach für Berlin einen schnelleren Befehls- und Meldeweg. Jedes dieser Regimenter erhielt eine Granatwerfer- und eine Kanonenbatterie sowie einen Flammerwerferzug. Das GKM besaß auch SPW-Fahrzeuge. Ab Anfang der 1970er Jahre erhielt die Batterien der GRer des GKM mittelschwere Infanteriebegleitbewaffnung analog den GR an der westlichen Staatsgrenze. Die zuvor den GR direkt unterstellten GÜSt-SiK und –züge wurden ebenfalls durch ein GÜSt-SiR-26 (Berlin-Niederschönhausen) mit sechs SiK und dem Sicherungszug „Brandenburger Tor“ (später im GR-33 untergebracht) zentralisiert. Mit Abschluss der Umstrukturierung gehörten ca. 13.000 AGT zum GKM.


Gliederung eines GR im GKM

 

Ein Stab, eine Stabseinheit, fünf GK mit durchschnittlich 120 AGT, je 1 Pionier-, Nachrichten-, Transportkompanie, Granatwerfer- und Artilleriebatterie, einen Aufklärungs- und einen Flammenwerferzug sowie eine Diensthundestaffel in einer Gesamtstärke von ca. 320 AGT (außer GR-36). Jedes GR verfügt über 6 Stck. Granatwerfer (120 mm) und 6 Stck. PAK (85 mm) sowie über 15 Stck. Flammenwerfer. Zusätzlich sind – außer im GR-36- je GR 2 Stck. SPW (Typ PSH), und insgesamt ca. 2.300 KfZ (Kräder, PKW und LKW) im Kommandobestand. 

 

Gliederung einer GK im GKM

Jede GK unterstand einem Kompaniechef, der über einen Stellvertreter für politische Arbeit sowie über einen Stellvertreter für Grenzsicherung verfügte. Die Kompanie untergliedert sich in drei regulären Zügen, einen Kfz-Zug sowie einen Kompanietrupp. Die drei Züge, jeder durch einen Offizier geführt, bestehen aus vier Gruppen, in der Regel fünf Soldaten, geführt durch einen Unteroffizier. Ein Zug einer GK verfügt über 26 Soldaten. Hiervon ausgenommen ist der Kfz-Zug, dieser verfügt lediglich über 18 Soldaten, die in die beiden Gruppen "Pkw-Kübel" und "Kräder" unterteilt sind. Mit vier Soldaten bildet der Kompanietrupp die kleinste Einheit der GK. Ingesamt beträgt die GK-Sollstärke 103 Soldaten. Die Sicherungskompanien wiederum verfügen über jeweils 92 Soldaten und die schweren Grenzkompanien über 79 Soldaten. Zu Beginn der 1980 wird der Grenzdienst in Kompaniesicherung durchgeführt; d.h. die gesamten Kompanien übernehmen die Sicherung im Regimentsabschnitt. Erst ab 1987 wird einer Kompanie ein eigener fester Sicherungsabschnitt zugeteilt.

Grenzanlagen im Grenzabschnitt des GR-35  mit südlichem Blick auf den Reichstag hier im Dezember 1975. Gut zu erkennen der mittig sichtbare Erdbunker am Kolonnenweg und rechts davor gelegen eine umzäunte Hundelaufanlage. (mit freundlicher Genehmigung der Privatsammlung C. Tiedemann)

 

Grenzkommando Mitte 1972-1990 

Zur Verbesserung der militärischen Sicherung der westlichen Staatsgrenze wurde 1973 im I. GB des GR-1 unter dem Kommando des GB-Kommandeurs - Major Stelmaczyk - ein neues Grenzsicherungssystem - die „Bataillonssicherung“ - unter direkter Führung des KGT eingeführt. Die Änderung beruht auf dem Entschluss des NVR in der 41. Sitzung am 14. Juli 1972; hiernach sollten alle Grenzkompanien eines Bataillons im Verbund zur Sicherung des zugewiesenen Grenzabschnittes eingesetzt werden. Nach der erfolgreichen Erprobung ging alle GR an westlichen Staatsgrenze zu dieser Sicherungsart über. Diese Veränderung hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Strukturen der GR; es wurden mehr Soldaten benötigt. Dieser erhöhte  Personalbedarf wurde durch Kürzung von Planstellen im GKM (Berlin) und in den GAK (VR Polen und CSSR) kompensiert. Die Personalreduzierung im GKM erfolgte durch die bisherigen Gruppenstärke von acht auf sieben Soldaten, die Streichung der „schweren MG-Gruppen“ und die Reduzierung der GAR um je eine Ausbildungskompanie. Die bisher sechs Ausbildungskompanien mit jeweils vier Zügen werden auf fünf GAK mit drei Zügen reduziert. Der erhöhte Personalbedarf schlug sich in den Folgejahren nicht nur in den geburtenschwächeren Jahrgängen nieder, sondern wirkte sich auch im überhöhten und komplizierten Leistungsbedarf der Führungskräfte an der westlichen und Berliner Staatsgrenze aus. Mitte der 1980´er Jahre wird das System der Grenzsicherung an der Staatsgrenze zur BRD von der Bataillonssicherung in die ehemalige Kompaniesicherung zurückgenommen; hiernach sollten erhöhte Personalzuführungen im GKM wieder möglich werden. Auf sieben Grenzregimentern an der 155 km langen Grenze in und um Berlin sind zu diesem Zeitpunkt ca. 12.000 AGT aufgeteilt.

Die DDR-Führung sieht sich in den 1980er Jahren bei der Nachwuchs- und Personalgewinnung für die bewaffneten Organen der DDR mit einem neuen Phänomen konfrontiert: Der Soldatenberuf war in der DDR-Gesellschaft nicht mehr unumstritten. Ein durchaus großer Teil der Bevölkerung hatte eine distanzierte, wenn nicht ablehnende, Haltung zur Armee und ihren Angehörigen eingenommen, die sich immer weiter auch in Beschimpfungen oder sogar tätlichen Angriffen niederschlug. Es stellte sich ein erhöhter Fehlbestand besonders bei den Fähnrichen und Unteroffizieren ein. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, traten mit Wirkung vom 1. November 1985 ein neuer Stellenplan und eine neue Dislozierung und Einheitenzuordnung innerhalb der GR ein. Von nun an sind sieben GR rund um Berlin stationiert. Pro Kalendertag werden bei normaler Grenzsicherung ca. 2.300 AGT im Handlungsraum des GKM und im grenznahen Raum eingestzt; bei verstärkter Grenzsicherung (1988 an ca. 80 Tagen) kommen ca. 2.500 AGT zum Einsatz. Die besondere politische Situation im Jahr 1989 leitet eine neue Qualität in der weitere Entwicklung des Staates, der Gesellschaft aber auch innerhalb der bewaffneten Organe ein. Bedingt durch die strukturellen Veränderungen und den damit verbundenen häufigen Wechsel von Dienststellungen und Aufgaben verändert sich der Umgang von – erhöhten - Belobigungen und – verminderten - Bestrafungen rapide.   

Mit der Verlesung des Ministerratsbeschluss durch Günter Schabowski am 9. November 1989 um kurz vor 19.00 Uhr, dass „…Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt…“ verändert sich der Kontrollanspruch der GT an den Grenzen unmittelbar. So erfolgte in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 erstmals im Grenzabschnitt der GÜSt „Bornholmer Straße“ eine ungeregelte Grenzöffnung; um 19.50 erscheinen die ersten DDR-Bürger im GÜSt-Bereich für die Ausreise, die Abfertigung wurde gegen 21.00 Uhr aufgenommen. Vor der GÜSt stauen sich die PKW in Doppelreihen auf der Schönhauser Allee und Prenzlauer Allee. Um 23.30 Uhr war der Druck am freundseitigen Schlagbaum so groß, dass PKE-, Zoll- und GT-Angehörige die Kontrolle in eigener Entscheidung (GÜSt-Kommandant Harald Jäger) mit den Ausspruch: „Wir fluten jetzt“ einstellten und die Schlagbäume öffneten. Die letzten Kontrollen an der innerdeutschen Grenze enden im Zuge der beschlossenen „Wahrungs-, Wirtschafts- und Sozialunion“ am 1. Juli 1990. Als Nachfolgeorganisation der GT entstand kurzzeitig der „Grenzschutz der DDR“, welcher aber mit Befehl Nr. 49/90 des Ministers für Innere Angelegenheiten vom 21. September 1990 endgültig aufgelöst wurde. Gleichzeitig - mit allen NVA-Verbänden - werden am Abend des 2. Oktober 1990 an den Fahrzeugen und Standorten des GKM alle Fahnen und Kennzeichnungen demontiert; die bewaffneten Organe der DDR und die DDR  selbst sind aufgelöst. 

Ab dem 13. August 1961 liegt das Brandenburger Tor (BBT) im Sperrgebiet und kann weder von Westen noch von Osten besichtigt werden. Aus Repräsentationsgründen tragen die Angehörigen des Sicherungszugs am BBT während ihres täglichen Grenzdienstes nicht die reguläre Felddienstuniform, sondern die Dienstuniform in Offiziersstoffqualität. Lediglich diese GT-Angehörigen der SiK "BBT" des GR-36 und das Personal des Informationszentrums der Stadtkommandantur Berlin am BBT für geführte Besuchergruppen (i.d.R. Staatsgäste der DDR) haben für den Bauwerksbereich eine Zugangsberechtigung. Reguläre GT-Angehörige werden i.d.R in diesem besonderen Sicherungsbereich nicht eingesetzt und haben keinen Zutritt. Die beiden Flügel des BBT gehören zum Besucherstützpunkt der Standortkommandantur der NVA, im südlichen Teil ist neben den Dienstzimmern der Mitarbeiter und Sanitärräumen ein Vortragsraum untergebracht. Im Nordteil gibt es einen Ausstellungsraum mit Exponaten und Dokumenten zur Menschenschleusungen und Anschläge gegen die Grenze. (Umschlagseitenabbildung der Informationsmappe für Besucher des "Informationszentrums Brandenburger Tor" - Foto: Leiter des IZ am BBT OSL Günter Ganßauge - Privatarchiv d. Verf.)

 


Quelle:

- NVA-Standortdatenbank "Militärgeschichtliches Forschungsamt" in Potsdam

- T. Diederich "Handbuch der bewaffneten Organe der DDR" Verlagsgruppe Weltbild GmbH, Augsburg 2007

- Axel Klausmeier "Hinter der Mauer" Ch. Links Verlag, Berlin 2012

 

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